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Stadt Östringen (Druckversion)

Überlieferte Flurnamen lebendig erläutert

Fortsetzung der Vortragsreihe zur Östringer Heimatgeschichte

Das große Östringer Ortsjubiläum 2018 ist zwar vorüber, aber der Freundeskreis des Heimatmuseums der Kraichgaustadt setzte seine vor Jahresfrist begonnene Veranstaltungsreihe „Unsere Heimat kennenlernen“ nun mit einem Vortrag von Stefan Bachstädter zur Herkunft und Bedeutung der überlieferten Flurnamen fort.

Die meisten kennen sie oder haben sie schon einmal gehört, aber kaum einer weiß um die Hintergründe für die diversen Gewannbezeichnungen, die in der Östringer Feldflur zu finden sind. Referent Stefan Bachstädter hatte die Materie über viele Monate akribisch erkundet und für seine Ausarbeitung unter anderem auf eine Beschreibung zu den Grundstücken in Kirchenbesitz aus dem Jahre 1740 sowie auf eine aus dem Jahr 1892 datierende Gewannkarte zurückgegriffen. Bei seinem sehr gut besuchten Vortrag in der Stadtbücherei wurde Bachstädter wirkungsvoll von Reinhard Längle unterstützt, der anhand von Luftbildern die angesprochenen Flurabschnitte auf der Präsentationsleinwand identifizierte, so dass dem Publikum eine räumliche Zuordnung des jeweils in Rede stehenden Gewanns ermöglicht war.

Mit den Flurnamen wurden früher vielfach allgemeine Gebietsmerkmale festgehalten, wie Stefan Bachstädter darlegte. So finden sich Wortbestandteile wie –teich, -loch oder –bruch bei Senken, Kuhlen oder feuchten Niederungen, während Namen mit dem Zusatz Egert oder Egerten auf den im Mittelhochdeutschen verwurzelten Begriff egerde zurückgehen, der für Brachland oder landwirtschaftlich eher extensiv genutztes Grasland stand. Leichter erschließen lassen sich andere Gewannbezeichnungen wie Schweinetrieb, Hammelsgraben, Sauwingert, Gänsweide oder Schafbrückenweg, die von der in früheren Jahrhunderten weit verbreiteten Nutztierhaltung zeugen.

Wie Bachstädter weiter zu berichten wusste, waren auf den Grundstücken im Bereich Armenberg einst karitative Lasten eingetragen, das heißt, die Erträge wurden für die ärmeren beziehungsweise sozial schwächer gestellten Familien der Dorfgemeinschaft verwendet. Flurbezeichnungen wie Schleeberg, Hessloch, Kalmacker, Mehlbaum oder Würzwiesen sind hingegen Belege für die früher den Bereich jeweils prägende Vegetation, also in den genannten Fällen den Bewuchs mit Schlehenhecken, Haselsträuchern, dem Heidekrautgewächs Kalmia, Weißdorn mit seinen mehligen Früchten oder diversen Gewürzpflanzen. Und wo die Bauern früher ihre Stuten und Ziegen zum Decken hinbrachten oder im damaligen Sprachgebrauch „zuließen“, entstand der Gewannname Zulass.

Wie Stefan Bachstädter bei seinem Vortrag hervorhob, konnte er bei seinen aufwendigen Nachforschungen zu den Flurbezeichnungen vielfach auch auf die wertvollen Auskünfte ortserfahrener Bürger wie den früheren Feldschütz Robert Hammer zurückgreifen. Sein Publikum lud der Referent am Ende der Veranstaltung zum Meinungsaustausch über die noch nicht geklärten kleinen Geheimnisse mancher Flurnamen ein, so dass nach dem Vortrag noch etliche angeregte Gespräche zustande kamen. br.    

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