Aktuelles: Stadt Östringen

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Östringen trifft Kosovo

Artikel vom 15.05.2020

"Nëse më dëshiron diçka, te deshiroj të kthehet dyfish."
(Wenn du mir etwas wünschst, wünsche ich dir das Doppelte zurück.)
Albanisches Sprichwort

Geplant war der Länderabend in der Reihe „Östringen trifft …“ am 25.4. in der Stadtbücherei Östringen. Wegen der Corona-Beschränkungen konnte der Abend jedoch nicht wie gewohnt stattfinden. Auf die Eindrücke aus dem Kosovo brauchen Sie dennoch nicht zu verzichten. Denn mit Interview, Fotos, Lektüre-Hinweisen, Musikempfehlungen und kulinarischen Geheimtipps aus dem Kosovo laden wir Sie nun zu einer besonderen Entdeckungsreise ein.
Sobald es wieder möglich ist, soll die Veranstaltungsreihe „Östringen trifft …“ wie bisher in der Stadtbücherei fortgesetzt werden.

Kosovo-Albaner in Östringen
Etwa eine halbe Million Kosovo-Albaner leben in Deutschland, davon sind 56 in Östringen gemeldet. Weitere schätzungsweise 30 Deutsche mit kosovarischen Wurzeln wohnen in der Stadt. Viele von ihnen leben schon lange hier, sie selbst und ihre Kinder besitzen längst die deutsche Staatsangehörigkeit, ihre Heimat ist Östringen. Meist waren die Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren oder die Spannungen zwischen Serben und Albanern in den 1980er Jahren der Anlass, den Kosovo zu verlassen.

Daten und Fakten
Die Republik Kosovo liegt im Westen der Balkanhalbinsel und grenzt an Serbien, Nordmazedonien, Albanien und Montenegro. Gerade einmal 1,9 Millionen Menschen leben auf einem Territorium, das weniger als ein Drittel der Größe Baden-Württembergs einnimmt und halb so dicht besiedelt ist. Die Hauptstadt Prishtinë (serbisch: Priština) zählt knapp 200.000 Einwohner, von denen die überwiegende Mehrheit (90 %) Albaner sind. Fünf weitere Prozent sind Serben, die restlichen fünf Prozent Angehörige zahlreicher Minderheiten wie Türken, Bosniaken, Torbeschen, Goranen, Janjevci (Kroaten), Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter.
Der Kosovo ist ein säkularer Staat, seine Bewohner zu über 95 % muslimischen Glaubens, in der Mehrheit sunnitisch. Die im Land wohnenden Christen gehören meist der serbisch-orthodoxen, aber auch der katholischen Kirche an.
Gesprochen wird zumeist Albanisch, das neben dem Serbischen die Landessprache ist.

Klima
Im gemäßigt kontinentalen Klima des Kosovo ist im Sommer mit bis zu 40°C zu rechnen, im Winter wird es mit -20°C und darunter oft klirrend kalt. Wunderbare Reisemonate sind Mai und Juni, bevor die große Hitze kommt.

Berühmte Persönlichkeiten
Xherdan Shaqiri ist nur eine der Berühmtheiten, die das kleine Balkanland hervorgebracht hat. Der Schweizer Fußballspieler ist in Gnjilane (heute: Gjilan), einer Kleinstadt im Osten des Kosovo, geboren und als Kind mit seinen Eltern in die Schweiz ausgewandert. Auch  der aktuell für Arsenal London aktive Mittelfeldspieler Granit Xhaka hat albanische Wurzeln.

 

 

Der internationalen Musikwelt sind die Sängerinnen Rita Ora („Let you love me“), Dua Lipa („One Kiss“) und Era Istrefi („Bon bon“) wohlbekannt. Auf die Weltbühne hat es der albanisch-amerikanische Turniertänzer Toni Devolani genauso geschafft wie der deutsche Box-Moderator und ehemalige Profiboxer im Schwergewicht Luan Krasniqi.

Lieblingsgerichte
Pasul ne Tavë
*(Eintopf mit weißen Bohnen und Knoblauchwurst, s. Foto, © wikimedia), Flija (eine Art Pastete mit Schichten aus Teig, Milch und Feta), Speca te mushta* (mit Reis und Hackfleisch gefüllte Paprika), Sarma (mit Reis und Fleisch gefüllte Kohlblätter)
Zu fast jeder Mahlzeit wird Djathe Sharr gereicht, ein traditionell aus Schafs- und Kuhmilch hergestellter Käse aus dem Sharr-Gebirge. Auch Brot darf nicht fehlen, und zwar Bukë t’shpis (Brötchen-ähnlich) oder Pitalka (Fladenbrot).
Typische Desserts sind Kaqamak (Pudding aus Maismehl) und Tullumba (frittierter Teig, getränkt in Sirup)
*Die Rezepte könne Sie hier herunterladen.

Lieblingsbücher aus der Stadtbücherei
Balkan: Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien (Standort: Cem 4 BALKAN)
Der Reiseführer zum Westbalkan stellt sieben Länder mit ihrer Geografie, Geschichte, Kultur und ihren Sehenswürdigkeiten vor. Er bietet umfassende reisepraktische Informationen. Eine große Anzahl an Natur- und Kulturschätzen und eine spürbar verbesserte touristische Infrastruktur machen Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien und Nordmazedonien zu attraktiven Reisezielen.

Fünf Nächte im Kosovo:
ein spannender Thriller (2019) von Anna Tell (ebook)
Kommissarin Amanda Lund muss zu einer Mission auf dem Balkan. Ein schwedischer Polizist ist dort verschwunden. Er wurde entführt. Amanda, die bereits in der Region im Einsatz war, übernimmt die Verhandlungen im Kosovo. Zur gleichen Zeit untersuchen Amandas Stockholmer Kollegen den Hintergrund des Entführungsopfers. Was hat den Polizisten zur Zielscheibe gemacht? Schon bald stellt sich heraus, dass es um weit mehr geht als um schnell erbeutetes Geld. Die Gründe sind persönlicher: Es geht um Rache.

Am Anfang war der Krieg zu Ende:
der aktuelle Roman (2018) des Autors, Sängers und Songwriters Jan Böttcher (Standort: Romane Bött) In Deutschland lernen sie sich kennen. Im kriegszerstörten Kosovo können sie nicht zusammenbleiben. Nur ihrem Sohn gelingt es, die alten Grenzen hinter sich zu lassen. Die Geschichte einer ungleichen Liebe zwischen Nord und Süd, Heimat und Fremde, Schicksal und Selbstbestimmung.

Durch die Wand die Biografie von Nizaqete Bislimi (ebook) Vom Flüchtlingsmädchen aus dem Kosovo zur erfolgreichen Rechtsanwältin – Nizaqete Bislimi hat es geschafft. 1993 als Asylbewerberin nach Deutschland gekommen, machte sie fünf Jahre später ihr Abitur und nahm ein Jurastudium auf. Allen Widerständen, Anfeindungen und Schwierigkeiten zum Trotz hat sich die junge Roma ihren Platz in der deutschen Gesellschaft erkämpft und erarbeitet, immer unter dem unsicheren Rechtsstatus der Duldung, den sie und ihre Familie 14 Jahre lang behalten sollten. Ihren bewegten Lebensweg hat Bislimi mit Hilfe der vielseitigen Schriftstellerin B. Rygiert in diesem sehr persönlich und emotional verfassten Buch aufgezeichnet.  

„Es ist schön, beide Kulturen zu kennen“  Interview mit Ardonit Sulejmani Ardonit Sulejmani, 20, ist in Östringen aufgewachsen und absolviert zurzeit seinen Bundesfreiwilligendienst im Integrationsbüro der Stadt Östringen.

Du bist in Deutschland geboren, hast immer schon in Östringen gelebt. Was verbindet dich mit dem Kosovo?
Die Familie. Die ganze Familie meiner Mutter lebt im Kosovo, und auch mein Vater hat noch sehr viel Verwandte im Kosovo.

Spielt es für dich eine Rolle, dass Deine Familie eine Migrationsgeschichte hat?
Eigentlich nicht. Es ist nur ganz schön, zwei unterschiedliche Kulturen zu kennen und damit aufzuwachsen.

Was macht für dich „Heimat“ aus?
Heimat ist der Ort, an dem man sich am wohlsten fühlt. Im Kosovo zum Beispiel freue ich mich sehr, wenn ich den restlichen Teil meiner Familie wiedersehe und alle Menschen in meiner Muttersprache sprechen höre. In Deutschland allerdings habe ich meine engste Familie und meine Freunde. Ich kann mir nicht vorstellen, mehrere tausend Kilometer wegzuziehen. Hier fühle ich mich sehr wohl.

Hast du Kontakt zu anderen Kosovo-Albanern hier?
Ja, ich habe früher in der Fußballmannschaft Kollegen aus dem Kosovo gehabt, mit denen ich bis heute noch Kontakt habe. Dazu kommt, dass meine Eltern sehr vernetzt sind mit anderen Kosovo-Albanern, und den Kontakt pflegen meine Eltern sehr.

Wann warst du zum ersten Mal im Kosovo?
Kann ich gar nicht so genau sagen, laut meiner Mutter zwei Monate nach meiner Geburt.

Bist du heute noch regelmäßig im Kosovo?
Jedes Jahr. Im Sommer 3–4 Wochen und sonst über das Jahr verteilt noch mal zwei Wochen. Mein erstes und einziges Urlaubsziel ist der Kosovo, und darauf freue ich mich jedes Mal.

Was ist im Kosovo genauso wie hier? Was ist anders?
Ich sehe, wie sich sehr viele Menschen hier in Deutschland bemühen, andere Menschen zu unterstützen, und ihnen ihre Hilfe anbieten. Ähnlich ist das im Kosovo. Dort ist der Respekt vor älteren Menschen sehr viel höher als hier. Generell sind die Menschen im Kosovo höflicher zueinander, man grüßt immer jeden. Es ist hier in Deutschland vorgekommen, dass mich heute jemand grüßt und morgen läuft er an mir vorbei, als würde er mich nicht kennen. So etwas gibt es im Kosovo nicht, aber das liegt am Menschen und nicht am Land oder der Nationalität. Die deutsche Regierung sorgt für die Bevölkerung und geht auf die Bedürfnisse ein. Im Kosovo sind die Politiker korrupt und das Land schafft keine wirtschaftliche Stabilität.

Was erlebt ein Albaner, eine Albanerin beim ersten Besuch in Deutschland als Kulturschock?
Das erste, was sie sagen werden, ist: „Habt ihr das gesehen? Die Deutschen gehen mit Schuhen ins Haus!" Und sie würden lachen.
Zudem werden sie den ganzen Tag Zug fahren, da es in Kosovo keine Züge gibt. Und sie werden wütend sein, wenn sie auf der Straße nicht zurückgegrüßt werden.

Was magst du am Kosovo, an den Menschen dort?
Eben das Herzliche! Da unsere Politik so korrupt ist, helfen sich die Menschen umso mehr.

Was denkt man im Kosovo über „die Deutschen“?
Die Deutschen sind ein starkes Volk, wir müssen Deutschland danken, dass wir sagen können: Wir haben ein eigenes Land. Wären die deutschen und die Amerikaner 1999 nicht gewesen, dann gäbe es uns nicht. Das sagt so ziemlich jeder Kosovo-Albaner.

Was sollten wir hier unbedingt über den Kosovo und seine Menschen wissen?
Kosovo-Albaner sind sehr dankbar. Tust du ihm einen Gefallen, wird er dir mit großer Sorgfalt zwei Gefallen tun. Wünschst du ihm etwas, wünscht er dir das Doppelte zurück. Das ist ein albanisches Sprichwort.

Welche Reiseziele im Kosovo empfiehlst du?
Möchtest du einen Partyurlaub mit deinen Freunden machen, dann nimmst du dir ein Hotel in der Hauptstadt Prishtina und erkundest jede Bar und Diskothek im Kosovo.
Möchtest du einen Familienurlaub machen, dann nimmst du dir ein Hotel im ruhigen Drenas und schaust dir die Tropfsteinhöhle (Shpella Gadimes in Lipjan) an, die Rugova-Schlucht in Peje, läufst den Berg Hajla hoch, schaust dir die größte Moschee im Kosovo in Gjakove an und vieles mehr.
Wenn du Skifahren willst, fährst du nach Brezovicë im Süden
Das Interview führte Daniela Blech-Straub