Aktuelles: Stadt Östringen

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Von Johann Sebastian Bach bis Johann Strauß auf den Wellen der leichten Muse

Jahreskonzert des Östringer Kammerorchesters in der Aula des Leibniz-Gymnasiums

Bei seinem traditionellen Jahreskonzert in der Aula des Leibniz-Gymnasiums brachte das Östringer Kammerorchester unter der Leitung von Gert Bachmaier Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Franz von Suppé, Johannes Brahms, Jacques Offenbach und Johann Strauß (Sohn) zu Gehör. Man kann dieses Ensemble nur beglückwünschen, dass es so viele exzellente Hobby-Kammermusiker in seinen Reihen hat, die einmal im Jahr Kostproben ihres Könnens geben.


Im ersten Teil des Abends machte das Orchester gemeinsam mit den Solisten Luisa Burger (Sopran), Claus Temps (Bassbariton) und Gert Bachmaier (Tenor) einen pädagogischen Ausflug zu Johann Sebastian Bach mit der Kaffeekantate „Schweiget stille, plaudert nicht“. Und siehe da, der Schöpfer überragender, geistlicher Musik hatte durchaus Humor. Kaffee bildete damals für das Bürgertum – zumal in Leipzig – die Droge der Zeit. Die Stadt war ein Zentrum jener neuen Mode, in den Kaffeehäusern das braune Getränk zu genießen. Das trug seinen Teil zur Emanzipation der Frau bei. Vater Schlendrian will in der Kaffeekantate seine Tochter Liesgen vom Kaffeegenuss abbringen. So skizziert Bach eine humorvoll-ironische Szene aus dem bürgerlichen Leben der Leipziger – mit einem Augenzwinkern. Ausgezeichnet verstanden es Luisa Burger als Liesgen und Claus Temps als Schlendrian im Streitgesang zwischen Vater und Tochter, ihre eigenen Charaktere mit musikalischen Mitteln zu karikieren. Zu dem erfrischenden Dialog, mal lyrisch, mal temperamentvoll, aber immer technisch perfekt präsentiert, kam noch die natürliche Ausstrahlung der Solisten.


Im zweiten Teil des Abends machte schon die Ouvertüre „Dichter und Bauer“ Freude und gute Laune, weil sich Dirigent Gert Bachmaier gegen den Trend stellte und seinem Ensemble viele Freiheiten gönnte. So entstand eine spritzige, intelligente Darbietung der Komposition des im dalmatischen Split geborenen Franz von Suppé, und Bachmaier tischte seinen Suppé vorzüglich auf. In der „Dichter und Bauer“ Ouvertüre intonierte nach der festlichen Einleitung das Cellosolo frei von jeder Romantik die berühmte, freilich durch den „Rote-Rosen“-Schlager etwas abgedroschene Melodie. Im Rhythmischen wie im Melodischen kam das Werk sehr stimmig rüber, der Dirigent
setzte nicht nur auf Knalleffekte und Auffallendes, gemeinsam mit seinem Orchester suchte er Farben und gestaltete schön schwingende Legato-Bögen. So geht Operettenkultur!


Sie waren, sie sind und sie werden aller Wahrscheinlichkeit nach Bestseller bleiben: Die „Ungarischen Tänze“ von Johannes Brahms. Es sind knackig-kurze Stücke, die von Leidenschaft und Sehnsucht nur so triefen, deren prägnante Melodien und Rhythmen jedem ins Ohr gehen. Das Ensemble spielte die Tänze Nr. 5 g-Moll und Nr. 6 D-Dur äußerst brillant und mit einem unfehlbaren Instinkt für diese Musik. Das Verbindende dieser temperamentvollen Musik ist der warme, elegische Ton der Stücke, der unvermittelt in glühende Leidenschaft wechselt, in der sich rasante Spieltechnik mit
treffsicherer Dynamik wunderbar verbindet.


Zum 200.Geburtstag des musikalischen Genies Jacques Offenbach, dem Begründer der modernen Operette, präsentierte das Duo Luisa Burger und Claus Temps das „Fliegenduett“ aus der Operette „Orpheus in der Unterwelt“. Mit schmeichelnder Stimme nähert sich der liebestolle Göttervater Jupiter der in der Unterwelt schmachtenden Eurydike. In diesem Duett bezauberte Luisa Burger mit ihrem warmen und bis in höchste Lagen klaren Sopran das Publikum.


Dieser Walzer ist beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker der Höhepunkt: „An der schönen blauen Donau“ – Österreichs heimliche Nationalhymne und einer der wichtigsten Kultur-Exportschlager. Sehr positiv fiel in der Präsentation des Östringer Kammerorchesters auf, dass man konsequent die Absicht des Komponisten verfolgte und das Werk nicht sinfonisch „aufmöbelte“. So blieb der Charakter als Tanzmusik weitgehend erhalten, man hielt sich an die geheimen Regeln des Wiener Schmähs und auch daran, wie man Walzer richtig spielt: Den zweiten Schlag etwas rascher, den dritten mit leichter Verzögerung. Hier wurde Kammermusik gemacht, nicht tänzerische
Großsinfonik gepflegt: Die Streicher bildeten nur eine Schicht des Gesamtkunstwerks, nicht ihre Hauptsache, demgegenüber kamen die sehr individuell gestalteten Holzbläsersoli sowie auch die fein differenzierten Nachschläge in den Hörnern sehr deutlich heraus. Selbst die Tutti-Passagen wurden schwerelos balanciert und schwungvoll dargeboten. So machte dieser Walzer viel Freude, weil er reizvoll sprechend und atmend artikuliert wurde. Dadurch kam diese gelungene Präsentation nicht nur dem Original sehr nahe, sondern atmete auch etwas vom Straußschen Geist der niveauvollen Unterhaltung. Dem rauschenden Schlussapplaus folgte als Zugabe die „Humoreque“ von Antonin Dvorak.

Rudi Kramer