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Stadt Östringen (Druckversion)
Artikel vom 01.01.2022

Vor fünfzig Jahren begann der gemeinsame Weg

Fusion von Östringen, Eichelberg und Tiefenbach ging mit Kreisreform einher

Über Sinn und Unsinn der Gebietsreform und die Eingemeindung kleinerer Ortschaften wurde Anfang der 1970er Jahre in nicht wenigen baden-württembergischen Dörfern heftig gestritten – nicht so in Östringen, Tiefenbach und Eichelberg, die vor genau fünfzig Jahren am 1. Januar 1972 fusionierten.

Seit 1967, als der Landtag die Neugliederung von Verwaltungen, Kreisen und Gemeinden auf den Weg brachte, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu sichern, waren auch an der Nahtstelle der damaligen Landkreise Sinsheim und Bruchsal die kommunalpolitischen Strukturen in Bewegung geraten. Östringen hatte sich, vor allem nach der Ansiedlung eines großen Nylonfaserwerks des britischen ICI-Konzerns, rasant entwickelt, zählte inzwischen 5.700 Einwohner und wollte seine wachsenden zentralörtlichen Funktionen für das Umland behaupten. Gespräche über einen gemeinsamen Weg mit Bad Langenbrücken, Bad Mingolsheim und Kronau hatten indessen zu keinem greifbaren Ergebnis geführt, ebenso wenig wie Kontakte mit Rettigheim, Malsch, Mühlhausen und Zeutern, das von Östringen bis zuletzt heftig umworben wurde.

Tiefenbach und Eichelberg hingegen, mit rund 840 beziehungsweise rund 600 Einwohnern deutlich kleiner, standen vor der Frage, ob die Zukunft besser eigenständig oder im Verbund mit anderen zu meistern sei. Wechselvolle Zeiten hatten die beiden von Landwirtschaft und Weinbau geprägten Gemeinden im oberen Katzbachtal schon zuvor zur Genüge erlebt. Einst dem Kloster und Ritterstift Odenheim zugehörig, später am Übergang der Interessenssphären des Fürstbistums Speyer und der Kurpfalz, mussten sich Tiefenbach und Eichelberg im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach neu orientieren und wurden im Großherzogtum Baden ab 1813 dem Bezirksamt Eppingen, nach dessen Auflösung ab 1924 dem Bezirksamt Bruchsal und ab Oktober 1936 dem Bezirksamt Sinsheim zugeordnet, dessen Zuständigkeitsbereich mit dem 1939 gebildeten Landkreis Sinsheim identisch war. Wegen der schon absehbaren Auflösung des Landkreises Sinsheim war Ende 1971 eine neuerliche Veränderung bereits „in Sicht“.

Zu den Sondierungsgesprächen mit seinen Amtskollegen Norbert Kempf aus Tiefenbach und Jakob Emmerich aus Eichelberg über die Vor- und Nachteile einer „Gemeindehochzeit“ brachte Östringens Bürgermeister Hermann Kimling 1971 durchaus charmante Argumente für eine Bündelung der Kräfte mit – in der Nordostecke des Landkreises Bruchsal hatte sich Östringen, nicht zuletzt dank kräftig sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen, binnen kurzem eine umfassende Infrastruktur bis hin zu einem großen Bildungszentrum zugelegt und war mit beachtlicher Finanzkraft ausgestattet.

In Tiefenbach und Eichelberg wurde das Für und Wider einer Fusion sorgfältig und nüchtern abgewogen. Bei der Anhörung der Bürger im August 1971 lag die Zustimmung für ein Zusammengehen mit Östringen in Eichelberg bei 96,9 Prozent und in Tiefenbach bei 92,9 Prozent. In den beiden Gemeinderäten, und ebenso in der Östringer Bürgervertretung, wurden die Entwürfe der Fusionsvereinbarungen mit den Festlegungen zur Ortschaftsverfassung, zur Repräsentation im neuen Gesamtgemeinderat - dort wurden Eichelberg im damals eingeschlagenen Weg der unechten Teilortswahl zwei Sitze und Tiefenbach drei Sitze garantiert -, zur Beibehaltung der Ortschaftsverwaltungen und zu den anstehenden Investitionen danach im Dezember 1971 einmütig gebilligt. Zum Jahresbeginn 1972 konnte die neue Großgemeinde und spätere Stadt Östringen, die ihre heutige Form und Gestalt allerdings erst zwei Jahre später am 1. Januar 1974 durch den Zusammenschluss mit Odenheim erhielt, somit aus der Taufe gehoben werden.

Was beim Zusammenschluss versprochen wurde, konnte in den nachfolgenden Jahren unter der Regie der Bürgermeister Hermann Kimling und Erich Bamberger nach und nach auch umgesetzt werden. Von Beginn an förderte die Zentralgemeinde nach Kräften eine bedarfsgerechte Infrastruktur vor Ort in Eichelberg und Tiefenbach sowie das bürgerschaftliche Eigenleben in den Vereinen und sonstigen Institutionen. Bei den Allermeisten galt die mit dem Zusammenschluss angestrebte Annäherung schon bald als gut gelungen. br.

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