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Wirksamer Hochwasserschutz für Odenheim rückt näher

icon.crdate12.11.2025

Gemeinderat leitet Verfahren zur Planfeststellung in die Wege

Gemeinderat leitet Verfahren zur Planfeststellung in die Wege

Für die Mitglieder des Östringer Gemeinderats waren jetzt im Rahmen ihrer Vorbereitungen auf die zurückliegende Sitzung des Gremiums die gut 950 Seiten umfassenden Beratungsunterlagen zum anstehenden Beschluss über die Einleitung der Planfeststellung für die Umsetzung des Hochwasserschutzkonzepts im Stadtteil Odenheim keine leichte Kost.

Das Projekt hat eine vergleichsweise lange Vorgeschichte, denn die Überlegungen, das Risiko von Überflutungen für das Siedlungsgebiet wirksam zu mindern, reichen in Odenheim schon etliche Jahrzehnte zurück, daran erinnerte jetzt auch Bürgermeister Felix Geider bei der Aussprache im Gemeinderat.

Allein seit der Jahrtausendwende hat es in Odenheim schon mehrfach gravierende Hochwasserlagen gegeben, so beispielsweise 2002, 2009 und 2013. Schon wenige Monate nach seinem Dienstantritt als Östringer Bürgermeister im Jahre 2011 hatte Geider eine umfassende Aktualisierung der bis dahin erarbeiteten Pläne auf den Weg gebracht, deren Umsetzung dem Stadtteil auch bei einem sogenannten hundertjährigen Hochwasserereignis wirksamen Schutz bieten würde.

Die überarbeiteten Konzepte für ein solches sogenanntes „HQ100“, das statistisch einmal in hundert Jahren zu erwarten ist, waren in der Folgezeit noch umfänglich mit den zuständigen Genehmigungsbehörden des Landes abzustimmen.

Wie schon zuvor bei der erfolgreichen Umsetzung der Pläne zur Verbesserung des Hochwasserschutzes im Kernort Östringen musste die Stadt auch im Falle von Odenheim stets zugleich auch die Voraussetzungen für die Bewilligung beträchtlicher staatlicher Fördermittel für dementsprechende Maßnahmen im Blick behalten. Zu beachten war dabei, dass nach den Zuschussrichtlinien des Landes nur Projektvarianten finanziell unterstützt werden, für die unter Berücksichtigung der kalkulierten Kosten und des auf Basis der amtlichen Hochwassergefahrenkarten des Landes zu erwartenden Schutzes belegt ist, dass die Nutzwirkungen durch die Verhinderung von Hochwasserschäden höher als die Kosten der Umsetzung bestimmter Maßnahmen sind.

In diesem Zusammenhang hatten die fachgutachterlichen Untersuchungen schon frühzeitig ergeben, dass es zum Ausbau und der ökologischen Aufwertung der innerörtlichen Teilabschnitte der Gewässerläufe des Katzbachs und des Kapellenbachs keine vergleichbar effiziente Alternative gibt. So hatten detaillierte Berechnungen der Fachleute gezeigt, dass weder mit der Anlegung von Hochwasserrückhaltebecken am Katzbach und Kapellenbach oberhalb von Odenheim noch mit der bloßen Erhöhung der innerörtlich vorhandenen Uferböschungen eine entsprechende Schutzwirkung erzielt werden kann.

Wie Verena Spiegel vom Hügelsheimer Planungsbüro Wald & Corbe nun bei der jüngsten Ratssitzung klarstellte, waren die zurückliegenden Hochwasserlagen in Odenheim keineswegs der Kategorie „HQ100“ zuzuordnen, sondern waren jeweils weitaus eher die Folge von „zehnjährigen“ Regenereignissen. Spiegel erläuterte, dass der Kapellenbach nun im Zuge der Umsetzung des Vorhabens zur Verbesserung des Hochwasserschutzes für Odenheim am östlichen Siedlungsrand auf einer Länge von 320 Metern offengelegt und dabei das Bachbett auch zum Taltiefpunkt hin verlagert werden soll. In diesem Teilabschnitt des Gewässerlaufs sollen die Böschungen abgeflacht werden, um das Querschnittsprofil des Kapellenbachs aufzuweiten, und außerdem sieht die Planung dort auch Gehölzpflanzungen sowie die Herstellung eines bachbegleitenden Schotterwegs vor. Im bachabwärts auf einer Länge von rund 190 Metern bis zur Einmündung in den Katzbach folgenden Abschnitt sollen die Böschungen entlang des Kapellenbachs noch stärker abgetragen werden, um auch dort das Gewässerprofil für die Aufnahme eines hundertjährigen Hochwassers auszulegen.

Darüber hinaus ist nach dem Konzept des Büros Wald & Corbe vorgesehen, den Katzbach auf der Teilstrecke von der Einmündung des Kapellenbachs bis fast zur Brücke an der Eppinger Straße auf einer Gesamtlänge von rund 420 Metern ebenfalls deutlich aufzuweiten und dort unter anderem mit dem Einbau von Kies- und Sandgemischen Substratdepots anzulegen.

Vervollständigt wird das Konzept zur Verbesserung des Hochwasserschutzes für Odenheim nach den Angaben von Verena Spiegel schließlich durch diverse lokale Einzelmaßnahmen, so beispielsweise durch mobile Dammbalkenverschlüsse an verschiedenen Stellen entlang von Kapellenbach und Katzbach, durch eine Aufweitung des Gewässerprofils des Katzbachs auf Höhe der Mittelstraße sowie an bestimmten Abschnitten auch durch die Erhöhung der Uferbefestigungen.  

Um die angestrebte Schutzwirkung bei Hochwasser gewährleisten zu können, müssen darüber hinaus unter anderem drei Durchlässe neu dimensioniert, ein Mischwasserkanal verlegt sowie die Brücken an der Utestraße sowie im Bereich des Wohngebiets „Bergwiese“ neu gebaut werden.

Die Herstellungskosten für die Umsetzung des gesamten Planungskonzepts bezifferte Planerin Verena Spiegel bei der Sitzung des Gemeinderats mit rund 4,6 Millionen Euro. Dank der Beachtung der Vorgaben des Landes könne die Stadt ihren Ausführungen zufolge allerdings zugleich mit staatlichen Zuschüssen im Umfang von gut 2,9 Millionen Euro rechnen.

Lukas Härter vom Esslinger Ingenieurbüro Subdivo-plan berichtete bei der Zusammenkunft des Stadtparlaments ergänzend, dass die von dort erarbeitete Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) sowie der landschaftspflegerische Begleitplan inklusive artenschutzrechtlicher Vorgaben zuletzt nochmals auf den neuesten Stand gebracht worden seien. Wie Härter hervorhob, habe die UVS dabei auch einmal mehr auf den Prüfstand gestellt, wie sich die verschiedenen Optionen zur Gewährleistung eines adäquaten Hochwasserschutzes für Odenheim auf die Umwelt auswirken und dabei ebenfalls eindeutige Vorteile einer Renaturierung von Katzbach und Kapellenbach gegenüber dem Bau von zwei Hochwasserrückhaltebecken außerhalb der Ortslage dokumentiert.

Im Anschluss an die Erläuterungen der externen Fachleute zu den Einzelheiten der Umsetzung des Vorhabens verdeutlichte Bürgermeister Geider, dass die Stadt letztendlich darauf angewiesen sei, die für die Realisierung des  Hochwasserschutzkonzepts benötigten Flächen entlang der innerörtlichen Teilabschnitte von Katzbach und Kapellenbach auch dementsprechend in Anspruch nehmen zu können. Wie die Verwaltung bei der Gemeinderatssitzung bekanntgab, konnte für rund siebzig Parzellen in Privatbesitz indessen ein solches  Einvernehmen mit den Eigentümern bislang nicht herbeigeführt werden. Die Stadt will nun daher mit dem Antrag auf den förmlichen Beschluss zur Planfeststellung durch die zuständige Behörde darauf hinwirken, dass im Zuge des Verfahrens die erforderliche Rechtssicherheit für die Realisierung des Projekts hergestellt wird.

Ortvorsteher und Stadtrat Thomas Krapp (SPD) dankte bei der Gemeinderatssitzung den beteiligten Fachleuten für die sorgfältige und akribische Vorbereitung der Antragsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die „nach Wahrnehmung vieler Odenheimer `unendliche Geschichte´ nun einen Schritt weiter kommt.“

br.