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Der Klimawandel macht den Buchen das Leben zunehmend schwer
Bei der Waldbegehung des Gemeinderats wurden auch Jungkulturen inspiziert
In Östringen wurde jetzt im Rahmen einer öffentlichen Waldbegehung des Gemeinderats über die Konzepte zu einer veränderten Bewirtschaftung des Stadtforsts im Zeichen des fortschreitenden Klimawandels informiert.
Bei der Exkursion in verschiedenen Abteilungen des Stadtwalds am Schindelberg führte Revierleiter Jochen Kaiser den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zunächst am Beispiel der Altbestände im Kreuzsteiner Wald vor Augen, dass die gerade in den zurückliegenden Jahren in den Sommermonaten oftmals lange anhaltende Trockenheit und auch die sehr hohen Temperaturen vor allem der Buche zu schaffen machen. Besonders den ausgewachsenen Exemplaren der im Östringer Stadtforst dominierenden Baumart, die Wuchshöhen von 30 Metern und mehr erreicht haben, fällt es unter den veränderten klimatischen Bedingungen immer schwerer, das lebensspendende Wasser aus dem Untergrund bis in die Baumspitze zu transportieren. Als Folge zeigt sich in betroffenen Beständen wie im Kreuzsteiner Wald das typische Schadensbild, dass die alten Buchen von oben her absterben.
Gleich vis-à-vis konnte Kaiser in diversen Pflanzkulturen des Stadtwalds zeigen, dass man bei der Bewirtschaftung der Aufwuchsflächen inzwischen neue Wege geht. So wird bei der regelmäßigen Durchforstung der Platzbedarf sogenannter „Zukunftsbäume“ – im Jargon der Forstleute Z-Bäume genannt, mittlerweile schon in jungen Jahren wesentlich konsequenter als zuvor berücksichtigt. Pro Hektar Waldfläche sieht Revierleiter Kaiser im optimalen Fall letztlich 60 bis 80 dieser Z-Bäume unterschiedlicher klimastabiler Sorten. Das frühzeitige „Freistellen“ der Zukunftsbäume führt dazu, dass die Kronen bereits bei einer Stammhöhe von 7 bis 8 Metern beginnen, so dass den Bäumen der Wassertransport aus dem Erdreich in die Spitze gerade in Phasen von großer Hitze und Trockenheit deutlich besser gelingen kann.
Wie Revierleiter Kaiser nun außerdem Bürgermeister Felix Geider, den Mitgliedern des Gemeinderats sowie zahlreichen interessierten Bürgerinnen und Bürger vor Ort veranschaulichte, konnten auf den diversen, schon vor etlichen Jahren angelegten Jungbestandsflächen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg am Schindelberg durchaus wertvolle Erkenntnisse für die zukünftigen waldbaulichen Konzepte gewonnen werden. So hat sich auf der so genannten „silva select“-Versuchsfläche mit Vogelkirschen gezeigt, dass diese grundsätzlich wärmeliebende Waldbaumart mit den Aufwuchsbedingungen am Schindelberg offenbar eher weniger gut zurecht kommt, während beispielsweise aus südexponierten Lagen stammende sogenannte „Trockentannen“ dort ein vergleichsweise sehr gutes Wachstum zeigen und in der Zukunft im Östringer Stadtwald unter Umständen eine Option zur Douglasie darstellen können.
Im Rahmen der zurückliegenden öffentlichen Waldbegehung des Gemeinderats wurde jetzt am Schindelberg auch einer der in Nachbarschaft zum Feldgewann „Giebel“ im Stadtforst für die Errichtung von Windenergieanlagen in Betracht gezogenen Standorte aufgesucht. Wie Bürgermeister Geider diesbezüglich informierte, sollen im Bereich des Vorranggebiets „WE 7 - Östringen“ der Teilfortschreibung des Regionalplans des Verbands Region Karlsruhe nach aktuellem Stand der Planungen insgesamt vier Windräder realisiert werden. Während derzeit das Verfahren der Teilfortschreibung beim Regionalverband die Phase der zweiten Öffentlichkeitsbeteiligung durchschritten hat, werden parallel dazu beim Energieversorgungsunternehmen EnBW Baden-Württemberg AG beziehungsweise bei der Konzerntochter EnBW Windkraftprojekte GmbH bereits die Einzelheiten der Umsetzung des Vorhabens geklärt, so beispielsweise in Bezug auf die Zufahrtswege für Baufahrzeuge zu den Standorten, die während der Phase der Errichtung der Anlagen benötigt werden.
Bürgermeister Geider legte nun weiter dar, dass die von den neuen Östringer Windenergieanlagen erzeugte Elektrizität über eine neue Stromleitung aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem Anschluss an das regionale Hochspannungsnetz beim Industriepark am westlichen Siedlungsrand der Kernstadt geführt werde.
Bei der Waldbegehung des Gemeinderats betonte der Rathauschef jetzt außerdem erneut, dass Östringen ebenso wie andere Kommunen vom Betrieb der in der Region geplanten Windräder wirtschaftlich profitieren möchte. Geider rückte diesbezüglich wesentliche Zusammenhänge mit der allgemeinen kommunalen Finanz- und Wirtschaftslage in den Blick: „Aus der Beteiligung am Betrieb von Windenergieanlagen erzielen wir gegebenenfalls eine Rendite, die wirkungsvoll dazu beitragen kann, den Fortbestand städtischer Freiwilligkeitsleistungen auch in der Zukunft, in der die allgemeinen Rahmenbedingungen absehbar nicht einfacher werden, finanziell abzusichern.“
br.








